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#Lifestyle

Aktualisiert: 4. März 2019

Morgens um sieben. Der Wecker klingelt. Halt! Schon hast du den ersten fatalen Fehler begangen. Du gehörst nicht zum #5amclub?! Also, da wirst du es im Leben wahrscheinlich nicht weit bringen.

Drück am besten direkt den #Snooze-Button und dreh dich eingewickelt in der vollgepupsten Decke um und schlaf weiter. Du wirst von all den Gefahren in der Welt eh verschluckt. Du kannst jetzt nur hoffen, dass deine Unbedeutsamkeit bereits so weit vorangeschritten ist, dass niemand nach dir fragt und man dich im Bett wie ein schimmeliges Brot im Kompost liegen lässt.


Aber sie sind unerbittlich und wecken dich spätestens nach einigen weiteren Minuten oder Stunden (je nach Wochentag). Der Wecker, deine Mutter mit dem Staubsauger, die lauten Mitbewohner mit der unerträglich guten Morgenlaune oder dann die Blase, dieses abartig lästige Organ. Irgendjemand ist halt immer schuld, das ist ja klar.


Du quälst dich also auf und schlurfst schlaftrunken auf die Toilette. Jeden Morgen das Gleiche, reine Automatismen. Aber das nimmst du auf der Schüssel sitzend gar nicht wahr, so gebannt starrst du auf dein Smartphone oder Tablet, um dir die schillernden Feeds all der vermeintlich schönen und erfolgreichen Insta-Stars reinzuziehen. Hach, die haben es halt gut, die sind halt #erfolgreich und haben das perfekte Leben, jetsetten um die Welt wie Carmen mit ihrem Roooooooooobert und leisten sich durch Leute wie dich ein geiles Leben. Leute, die nur konsumieren, wenig bis nichts selbst erschaffen.


Leute, die verblödete Trash-Sendungen schauen und sich so von der schnöden Langweiligkeit ihres Lebens ablenken. Mit dem obligatorischen Sack Chips und der Flasche Cola auf dem Salontisch. Wobei, da muss man sich ja noch vorbeugen, um ranzukommen. Also die Fressalien doch besser direkt neben sich auf dem Sofa platzieren. Ob das dann Fett- oder Colaflecken gibt, ist ja auch egal. Wen kümmerts?! Ja gut, vielleicht die Mitbewohner mit der super Laune oder dann doch deine Eltern, wenn du noch zu Hause wohnst. Aber eigentlich auch wieder nicht, denn wer schaut schon noch im Wohnzimmer fern heutzutage? Wo ein Haushalt mit vier Personen ja direkt vier oder mehr Fernseher im Haus stehen und hängen hat.

Die „Brösmeli“ und Flecken sind also in deinem Bett. Das piekt dann so richtig schön, wenn man sich nur in T-Shirt und Unterwäsche oder Boxershorts reinfläzt. Aber was solls, Peelings sind ja auch im #Trend. Immerhin das machst du richtig! Wenn du dich also als wahrer Held des Multitasking zu Peeling-Zwecken im Bett wälzt, fern schaust, Insta-Feeds durchscrollst und vor Neid fast platzt, chattest du gleichzeitig noch auf Jodel mit Unbekannten – die ebenfalls wenig bis nichts auf die Reihe kriegen und ihr #Selbstvertrauen durch unsinnige virtuelle Karmapunkte aufpolieren – und auf WhatsApp mit deinem #Squad.


Jemanden willst du auf jeden Fall überzeugen, dass zusammen bei einem gluten- und laktosefreien und natürlich kalorienarmen Kaffee über andere meist erfolgreiche(re) Menschen zu lästern besser ist als daheim allein in der Unendlichkeit des Alles- und doch Nichtstuns zu versinken. Wenn ihr euch dann endlich im angesagtesten #Hipster-Café in Zürich trefft – selbstverständlich beide mindestens eine halbe Stunde später als vereinbart, denn alles andere wäre ja sowas von uncool – schaut ihr euch kaum an, seid beide nur am #Smartphone und wenn ihr mal miteinander sprecht, dann höchstens veruteilende Beleidigungen wie „Woah, schau dir mal die Bitch an. Die denkt wohl, sie ist die allergeilste mit ihrem Duckface. Und sowieso, was die postet ist ja echt mal richtig Scheisse.“


Naja, anscheinend ziehst du dir die Scheisse aber gern rein, oder? Sonst würdest du der „Bitch“ ja nicht folgen. Es ist schlicht zu einfach, über andere zu urteilen und sie schlecht zu machen. Dann muss man sich so gar nicht mit sich selbst und seinen eigenen Baustellen beschäftigen. Das würde ja Arbeit bedeuten, und Arbeit ist so gar nicht dein Ding. Überhaupt, wer hat Arbeit erfunden? Aufstehen, irgendwohin gehen, da acht oder neun Stunden sitzen und darauf warten, bis man endlich wieder nach Hause gehen kann, um die nächste Multitasking-Session zu starten.


Das 40 bis 50 Jahre andauernde #Hamsterrad, in das du dich fügst, um dem Bild der #Gesellschaft zu entsprechen. Aber es sorgt halt für das bisschen Geld auf dem Konto Ende des Monats. Damit kannst du dich immerhin jeden Abend am Wochenende oder sowieso jeden beliebigen Abend mit irgendwelchen (il-)legalen Substanzen abschiessen, damit du dich noch weniger mit deiner selbst erschaffenen #Realität befassen musst und einfach für ein paar Stunden alles vergessen kannst. Schliesslich muss ein bisschen #Spass ja sein, oder?


Ach, und Schlafprobleme hast du natürlich auch. Denn wer schläft schon gut, wenn er durch all die Screens und unsinnigen Reize seine Melatonin-Produktion vollkommen unterbindet, bis der eigene Körper gar nicht mehr weiss, dass dieses Hormon überhaupt existiert. Geschweige denn, dass er es selbst produzieren könnte.


So ist halt das #Leben, schwer und steinig wie der Weg auf den Mount Everest. Man muss halt die paar Jahrzehnte aushalten, bis es vorbei ist. Aber besser nicht in eine gute Ausrüstung #investieren und etwas Schweiss in Kauf nehmen, um den Gipfel zu erreichen. Lieber am Fuss des Berges erstmal unbeschränkt lange Pause machen, noch bevor man überhaupt den ersten Schritt geht. Und dabei möglichst rummaulen, was alles schief gehen könnte, dass es sich ja eh nicht lohne und höchstwahrscheinlich der Gipfel unerreichbar sei oder man nur bis zur Mitte komme und es dann eh nicht geschafft hätte. Und als Versager will ja niemand dastehen.


So why bother?

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