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Besser, schneller, höher, weiter

Bereits im Kindesalter stehen wir vor dem Problem, uns ständig vergleichen zu müssen. Wir erlernen dieses Verhalten von der #Gesellschaft, werden täglich geprägt durch die bearbeiteten Bilder auf #Instagram sowie heutige Hochglanz-Magazine. Die Tendenz zum #Perfektionismus ist überall.


Das Gefühl, bessere Noten schreiben zu müssen als Mitschüler kann während der Primarschule bis zur Ausbildungszeit im Erwachsenenalter belastend sein. Die Jagd nach guten Noten lässt keine Zeit, herauszufinden, was man eigentlich gern tut und wo die eigenen #Talente wirklich liegen. Man lernt in der Schule häufig nicht aus #Interesse oder #Spass, sondern lediglich aus Zwang oder weil wir eben diesen Abschluss brauchen für eine bestimmte Stelle. Wir tun, weil wir müssen, nicht weil wir wollen. Eine solch extrinsische #Motivation ist alles andere als nachhaltig und macht auch ganz bestimmt nicht glücklich.


Leistung hat schon früh im Leben den höchsten Stellenwert, weit vor Interesse und Spass. Was bleibt uns da anderes übrig als uns mit unserer Leistung zu identifizieren. Gute Leistung bedeutet hoher #Selbstwert, schlechte Leistung führt direkt zu #Selbstzweifeln. Niemand zeigt uns, wie wir #Selbstbewusstsein und -wert aus unserem Inneren schöpfen können.


Ich verspürte während meiner Schulzeit zusätzlich das Bedürfnis, meine Eltern stolz zu machen. Meine guten Noten gaben mir die Gewissheit, zu Hause #Anerkennung zu erhalten. Bei jeder 6 erhielt ich zum Beispiel neben dem Lob fünf Franken. Je mehr Erspartes ich hatte, desto stolzer wurde ich auf mich selbst. Und es war jedes Mal ein cooles Erlebnis, die Münzen in der Bank einzuzahlen und den wachsenden Betrag auf dem Konto zu sehen.


Das hatte auf der einen Seite etwas Gutes. Nämlich dass ich schon früh lernte, dass #Geld erarbeitet werden muss. "Ohne Fleiss kein Preis" und wie die Sprichworte alle heissen. Diese Mentalität vermittelte mir mein Papa auch durch sein eigenes Arbeitsverhalten. Er hat immer viel gearbeitet und dementsprechend Geld verdient. Und auch wenn ich meine Familie nicht als finanziell (super-)reich bezeichnen würde, war Geld nie ein Problem. Es gab immer genug davon. Ich bin sehr dankbar, in diesem Bereich mit einer #Überflussmentalität (nach Stephen R. Covey) und ohne negative #Glaubenssätze aufgewachsen zu sein. Das erspart mir heute viele Geldsorgen, die ich bei anderen Menschen beobachten kann.


Aber jede Medaille hat eine Kehrseite. In meinen Augen waren schnell alle Noten unter 5 ungenügend und selbst wenn ich eine 5.5 schrieb, war ich unzufrieden und wollte das nächste Mal besser sein. Einerseits, um mir zu Hause den "Fünfliber" abzuholen, andererseits, um meinen Freundinnnen überlegen zu sein - natürlich immer mit einem bescheidenen Unterton in der Stimme und einem geheuchelten "Beim nächsten Mal bist du wieder besser, wirst sehen". Natürlich hoffte ich das Gegenteil, denn war eine meiner Freundinnen besser als ich, dämpfte dies jedes Mal meine #Freude und mein #Ehrgeiz wuchs. Ich will nicht wissen, was dieser Wettstreit mit Kindern macht, die in der Schule trotz #Anstrengung nicht so gut sind, wie es von ihnen eigentlich verlangt wird.


Heute denke ich zum Glück ganz anders. Ich freue mich ehrlich für meine Freunde (und auch für Unbekannte) und gönne es ihnen, wenn etwas gelingt. Und ich unterstütze sie darin, #Erfolg zu haben. Ich bin der festen Überzeugung, dass das auch mich selbst weiterbringt. Ich bin ausserdem froh, dass das Vergleichen heute nicht mehr ganz so einfach ist, weil jeder seine eigene #Karriere gestaltet und seinen eigenen #Lebensweg geht. Was andere tun, mag sie glücklich machen. Aber das würde nicht automatisch auch mich glücklich machen, wenn ich an ihrer Stelle wäre. Es kann mich lediglich inspirieren, ebenfalls meinen Weg zu gehen und damit glücklich zu sein, was ich jetzt gerade habe und wer ich jetzt gerade bin.


Die individuellen Bedürfnisse und verschiedenen Wege das persönliche #Glück zu erreichen, hemmen den Wettstreit, weil es keinen direkten Massstab zum Vergleichen mehr gibt. Wir sind, wie wir sind. Und wir sind genau so gut genug. Unabhängig davon, was wir leisten.

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